Kurzfassung
der Geschichte Islands
330 v.
Chr. Ultima Thule
874-930 Besiedlung Islands
930 Gründung des Althing
985 Erik der Rote entdeckt und besiedelt
Grönland
1000 Friedliche Übernahme des Christentums
inThingvellir
1000 Leif Eriksson der Glückliche
entdeckt Nord-Amerika
13. Jh. Goldenes Zeitalter"
und das Schreiben der isländischen Sagas
1262 Island gerät unter norwegische
Herrschaft
1380 Island gerät mit Norwegen unter
dänische Herrschaft
18. Jh. Auswanderungswelle nach
Kanada und in die Vereinigten Staaten
18. Jh. Auf dem Weg
zur Unabhängigkeit
17. Juni 1944 Deklaration
der Republik Island in Þingvellir
330
v. Chr. Ultima Thule
Im Jahre 330 vor Christus brach Pytheas von Marseilles (Frankreich)
in Richtung Norden auf, um zu erkunden, wie weit die Welt in diese
Richtung verlief. Er segelte zu den Britischen Inseln und ins
Nordmeer. Die Insel Thule war 6 Tage nördlich von England gelegen
und einen Tag von dem Ende der Welt" entfernt. Auf
dem Rückweg schrieb er seinen Reisebericht, der schon vor langer
Zeit verloren gegangen ist, aber in anderen jüngeren Schriften
erwähnt wird. Er berichtete von einer Insel, die er Thule oder
Ultima Thule nannte und man nimmt an, daß es sich dabei möglicherweise
um Island handelt.
874-930
Besiedlung Islands
Ein irischer Mönch namens Dicuilus schrieb den ersten geographischen
Bericht vom Nordmeer Anfang des 9. Jahrhunderts. In dem Buch De
Mensura Orbis Terrae" berichtet er von Gesprächen mit irischen
Mönchen, die behaupteten, daß sie bis zur Insel Thule segelten
und dort von Februar bis August verweilten. So bestätigten die
irischen Mönche Pytheas Erzählung, daß das gefrorene Meer nach
einer Tagesreise in Richtung Norden von der Insel erreichbar wäre.
Dicuilus war der erste, der Thule als die Insel, die später als
Island bekannt wurde, bezeichnete. In Irland kannte man die Insel
Ende des 8. Jahrhunderts.
Es wird angenommen, daß die irischen Mönche
Island verließen, kurz nachdem die Wikinger um das Jahr 900 ihre
Besiedlung begannen. Falls sie geblieben sind, waren sie ohne
Einfluß und wurden vollkommen ignoriert. Die Besiedlung Islands
durch die Wikinger, wurde hauptsächlich wegen der Kämpfe Harald
Schönhaars verursacht, der die anderen Fürsten in Norwegen sich
untertan machen wollte. Ende des 8. Jahrhunderts gewann Harald
die Oberhand und verfolgte seine Feinde bis zu den Schottischen
Inseln, die er erobert hatte. Viele sind entweder direkt aus Norwegen
oder von den Britischen Inseln nach Island, das schon den Wikingern
bekannt war, geflüchtet und konnten auf diese Weise Haralds Herrschaft
erfolgreich entfliehen.
Landnámabók", das Buch der Besiedlung,
im 12. Jahrhundert geschrieben, ist die wichtigste Quelle über
die Besiedlungsperiode Islands und berichtet ausführlich von den
ersten Siedlern. Laut dieser Schrift war Ingólfur Arnarsson der
erste Siedler. Er war ein norwegischer Häuptling, der im Jahr
874 mit seiner Familie und Gefolge in Island ankam. Er baute seinen
Hof in Reykjavík, wo sich heute Islands Hauptstadt befindet. In
den folgenden sechs Jahrzehnten nahmen Einwanderer aus Skandinavien,
die auch Kelten von den Britischen Inseln mitbrachten, von dem
bewohnbaren Gebieten des Landes Besitz.
930
Gründung des Alþing
Im Jahre 930, am Ende der Besiedlungsperiode, wurde ein konstitutionelles
Gesetzbuch angenommen und das Alþing gegründet. Es gilt heute
als das älteste Parlament, das vor über 1000 Jahren auf demokratischer
Basis gegründet wurde, was einzigartig zu der Zeit war. Die judikative
Macht des Althing wurde in vier Untergerichtshöfe aufgeteilt und
das Oberste Gericht kam einmal im Jahr auf der Generalversammlung
in Þingvellir zusammen.

Leif Eriksson
Eine Skulptur von Stirling A. Calder. Es wurde zum 1000 jährigem
Jubiläum der Gründung des Alþing 1930 von den Vereinigten Staaten
gestiftet.
985
Erik der Rote entdeckt und besiedelt Grönland
Im Jahr 985 zog der Wikinger Erik der Rote von Island nach Grönland,
siedelte sich dort an und gründete die erste dauerhafte nordische
Kolonie. Er kehrte im Jahre 986 nach Island zurück und erzählte
von dem Land, das er Grænland (Grünes Land) nannte, um es begehrenswerter
in den Augen der zukünftigen Siedler zu machen. 25 Schiffe mit
Auswanderern verließen Island mit ihm und segelten nach Grönland.
Davon erreichten nur 14 Grönland. Die Besiedlung war in zwei Gebiete
aufgeteilt, Eystri Byggð (Ost-Siedlung), die Erik gründete und
Vestri Byggð (West-Siedlung), die sich in der Nähe von dem heutigem
Nuuk befindet, ungefähr 200 km nördlich von Eriks Hof. Beide Siedlungen
befinden sich an der Westküste Grönlands. Die nördliche Siedlung
zählte 300 Höfe mit ungefähr 5000 Bewohnern, die von Rinderzucht,
Landwirtschaft und Seehundjagd lebten. Die Siedler überlebten
die schwierigen Bedingungen dank harter Arbeit.
Im Jahre 1000 segelte von dieser Kolonie Eriks
Sohn, Leif der Glückliche nach Westen und entdeckte Nordamerika.
1000
Friedliche Übernahme des Christentums in Þingvellir
Im Jahre 1000 wurde das Christentum auf dem Alþing friedlich eingeführt.
Das Alþing kam in jedem Sommer vierzehn Tage zusammen. Es war
zugleich ein Anlaß zu dem sich ein wesentlicher Teil der Bevölkerung
traf. Der erste Bischhofssitz wurde im Jahre 1056 in Skálholt
in Südisland gegründet und im Jahre 1106 ein zweiter in Hólar
in Nordisland. Beide wurden die wichtigsten Ausbildungszentren
des Landes.
1000
Leif Eriksson, der Glückliche, entdeckt
Nord-Amerika und nennt das Land Vínland (Weinland).
Im Jahre 985 zog der Wikinger Erik der Rote von Island nach Grönland
und gründete dort die erste dauerhafte nordische Kolonie. Er kehrte
im Jahre 986 nach Island zurück und erzählte von dem Land, das
er Grænland (Grünes Land) nannte um es begehrenswerter in den
Augen der zukünftigen Siedler zu machen. Von dieser neuen Kolonie
aus segelte Eriks Sohn, Leif der Glückliche im Jahre 1000 und
entdeckte Nordamerika das er Vínland hið góða (das gute Weinland)
nannte. Jedoch berichtet eine der vertrauenswürdigeren Sagas davon,
daß Leif Eriksson von einem anderen Isländer, Bjarni Herjólfsson,
von diesem Land erfuhr. Vierzehn Jahre davor soll er es gesichtet
haben. Wie es auch immer gewesen sein mag so wurden diese Entdeckungsreisen
die Quelle einer der wichtigsten Blütezeiten europäischer Literatur.
13.
Jh. Goldenes Zeitalter" und das Schreiben der isländischen
Sagas
Die Sagas zählen zu den Klassikern der mittelalterlichen Literatur.
Sie sind in der alten Sprache der Wikinger geschrieben, die heute
noch in Island gesprochen wird. In der Zeitspanne von 1120 bis
1230 wurden die alt-skandinavischen Sagen in Island niedergeschrieben.
Am Anfang entwickelte sich die literarische Tradition der Dichtung
vorherrschend aus heroischen Themen. Die Dichtung wurde während
des Sagazeitalters, das vom Ende des 12. Jahrhunderts bis spät
ins 13. Jahrhundert andauerte, als epische und dramatische Erzählungen
geschrieben und handelt von der Anfangszeit der Besiedlung Islands,
Liebesaffären und Sippenstreitigkeiten. Sie trugen zum Bewußtsein
des kulturellen Erbe des isländischen Volkes bei und zur Unterhaltung
in den bitterkalten Winternächten. Der Stammeshäuptling, Historiker
und Dichter Snorri Sturluson schrieb wahrscheinlich die Prosa-Edda,
Heimskringla und die Geschichte der norwegischen Könige nieder.
1262
Island gerät unter norwegische Herrschaft
Im Jahr 1244 fand die erste Seeschlacht an der isländischen Küste
im Húnaflói statt. Diese Schlacht war eine der letzten in einer
Reihe von Kämpfen und mörderischen Überfällen, die mehr oder weniger
seit dem Jahr 1208 bis 1258 wüteten. Anfang des 13. Jahrhunderts
nahm die Friedensperiode, die 200 Jahre andauerte, ihr Ende. Das
verrufene Zeitalter der Sturlungar begann, eine turbulente Periode
von politischem Verrat und Gewalttätigkeiten. Der norwegische
König und Opportunist Hákon Hákonarsson nahm sich Island an und
es wurde zu einer gnadenlos ausgebeuteten norwegischen Provinz.
1380
Island gerät mit Norwegen unter dänische Herrschaft
Die Ausbrüche des Vulkans Hekla in den Jahren 1300, 1341 und 1389
verursachten Tod und Zerstörung auf der ganzen Insel. Epidemien
plagten die Menschen wiederholt und die Pest, die Norwegen im
Jahre 1349 heimsuchte unterbrach den Handel mit Island.
Am Ende des 14. Jahrhunderts geriet Island unter
dänische Herrschaft. Auseinandersetzungen zwischen Kirche und
Staat führten 1550 zur Reformation und der Einführung des lutherischen
Glaubens als Religionslehre des Landes. Durch die zwei folgenden
Jahrhunderte wurde Island gnadenlos von den dänischen Kolonialherren
ausgenützt, von algerischen Piraten bedroht und vielen Naturkatastrophen
unterworfen. Das 18. Jahrhundert ist eine durch große Tragik gezeichnete
Periode in der Geschichte Islands. 1703 als die erste Volkszählung
stattfand, zählte die Bevölkerung ca. 50.000 Menschen, davon etwa
20% Bettler und Unselbstständige. Wegen einer verheerenden Pockenepidemie
sank die Bevölkerungszahl von 1707 bis 1709 auf 35.000. Noch zweimal
sank die Bevölkerungszahl unter 40.000, in den Jahren 1752-57
und wieder zwischen 1783-85. Ursache war eine Reihe von Hungersnöten
und Naturkatastrophen.
18.
Jh. Auswanderungswelle nach Kanada und in die Vereinigten
Staaten
Im letzten Viertel des 19. Jahrhundert gab es in Island wieder
großes Elend, Überbevölkerung, Krankheiten, und Hungersnöte. Seit
1855 sind viele Isländer nach Nordamerika ausgewandert. 1873 segelte
die erste organisierte Auswanderergruppe von Akureyri nach Westen.
Von 1880-90 wanderte eine große Anzahl Isländer
nach Kanada aus, da sie in ihrer Heimat kein Auskommen fanden.
Die meisten siedelten sich in Manitoba an. Eine besondere Isländerkolonie,
Nýja-Ísland (Neuisland), würde 1875 gegründet. Viele unter den
ersten Auswanderern nahmen die Lehre der Mormonen an und zogen
nach Utah in den Vereinigten Staaten, wo Spanish Fork ihre Hauptgemeinde
wurde.
Von 1855 bis 1914 sind ca. 15.000 Isländer nach
Nord-Amerika emigriert. Die Auswanderung stellte einen schweren
Verlust für Island dar, aber einige der Emigranten kehrten mit
neuer Technologie und neuem Wissen zurück.
18.
Jh. Auf dem Weg zur Unabhängigkeit von der dänischen
Herrschaft.
Am Ende des 18. Jahrhundert wurde das Alþing aufgelöst und der
Bischofssitz nach Reykjavík verlegt. Als Folge der Not wurde das
Handelsmonopol 1783 in Island gelockert und alle Bürger des dänischen
Reiches bekamen das Recht in Island zu handeln.
1874 verlor Dänemark seine Herrschaft über Island
als der dänische König den Isländern eine eigene Verfassung gewährte
und ihm die Erlaubnis gab, ihre inneren Angelegenheiten selber
zu verwalten.
Im Jahre 1904 bekam Island Selbstverwaltung
und der erste isländische Ministerpräsident wurde ernannt.
1918 Unionsvertrag mit Dänemark. Island erhält
grundsätzlich alle Macht über seine inneren Angelegenheiten in
Personalunion mit dem Dänischen Monarchen. Es wurde von der dänischen
Herrschaft befreit und ein unabhängiger Staat im Königreich Dänemark.
Die Regierung in Kopenhagen war nur noch für die Verteidigung
und auswärtige Angelegenheiten verantwortlich.
1930 wurde das 1000 jährige Jubiläum der Gründung
des Parlaments Alþing in Þingvellir gefeiert.
17.
Juni 1944 Deklaration der Republik Island in Þingvellir
Als Folge der Besetzung Dänemarks im 2. Weltkrieg, erklärte Island
seine Unabhängikeit. Die Allierten besetzten Island, um es zu
verteidigen, da Island kein eigenes Militär hatte. 1940 kamen
zuerst britische Soldaten und 1941 amerikanische. 1949 ist Island
der NATO beigetreten und seit 1951 sind amerikanische Truppen
in Keflavík stationiert.
Die Engländer akzeptierten die Fischerreihoheit
der Isländer nicht, als diese die Grenzen in den siebziger Jahren
verlegten. Es kam zu verschiedenen Kabeljaukriegen zwischen der
isländischen Küstenwache und britischen Fregatten.
Heute ist die isländische Wirtschaftlage durch
die Einschränkung der Fischfangquoten gezeichnet und durch erhöhte
Arbeitslosigkeit und Abwertung der isländischen Krone unstabil.
Zusammenstöße zwischen internationalen Umweltorganisationen haben
dazugeführt, daß der Walfang bei Island eingestellt wurde. 1992
sind Isländer aus der Walfangkommission ausgetreten, was die Lage
nicht vereinfacht hat. Die Wirtschaftslage ist in neuester Zeit
aber auf dem Weg der Besserung.
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